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Im Supermarkt Episode | Die Stimme der freien Welt

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Die Stimme der freien Welt

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Im Supermarkt


Im Supermarkt

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DATE : Fre, 03 Jun 2005 13:00:53 GMT
Entered in Database : 1969-12-31 23:59:59
length : 4551702
Link to the Show / Show Notes

Ich meide Superm?rkte, wo es geht. Mein Bioladen und der Kollwitz-Markt am Wochenende versorgen mich mit allen notwendigen Viktualien - und das auch noch in hoher Qualit?t ohne holl?ndischen Treibhausgeschmack.

Ab und zu l??t es sich aber nicht vermeiden, und ich mu? eine solche neonbeleuchtete Konsumh?lle betreten. Ich versuche eigentlich, diese T?tigkeit auf h?chstens einmal im Quartal zu beschr?nken, indem ich bei einem Besuch in der Metro alle wichtigen, l?nger haltbaren Utensilien auf Vorrat f?r drei bis vier Monate kaufe. God praise the 10-Liter-Waschmittelpackung.

Neulich stehe ich jedoch nach l?ngerer Abstinenz mal wieder in solch einem Kaisers-Markt, also in der eigentlich schon bourgeoisen Ausgabe dieser Shopping-Institutionen. Nachdem ich die Auswahl der ben?tigten Konsumwaren soweit hinter mich gebracht habe, erwartet mich die wahre Herausforderung an der Kasse. In Zeiten allgemeinerEntlassungenPersonalknappheit sind nat?rlich nur zwei von acht Kassen besetzt - mit entsprechenden Warteschlangen davor.

Als alter West-Berliner hat zu Warteschlangen ein ?u?erst gespaltenes Verh?ltnis: man steht n?mlich immer in der falschen. Das merkte man sp?testens damals bei Transit,als man sich nach vier Stunden Wartezeit zu dem entsprechendenStasi-TrottelPa?kontrolleur des Arbeiter und Bauernstaates vorgearbeitethatte und der dann drei Autos vor einem beschlo?, eine Kaffeepause mit offenem Ende zu zelebrieren. Der erste Urlaubsstreit war nat?rlich vorprogrammiert, ohne da? man West-Berlin ?berhaupt verlassen hatte und somit in irgendeiner Form von Urlaubsbeginn sprechen konnte.

Zur?ck zur Schlange. Inzwischen habe ich das Transportband erreicht. (Anm. d. Red.: Ist jemandem eigentlich mal aufgefallen, da? es f?r die kleinen Plastikkl?tze, mit denen man seinen Einkauf von dem des n?chsten Kunden abstrennt, kein Wort in der deutschen Sprache gibt? Ich habe lange gesucht - und nichts gefunden.)

Erstaunlichweise wurden mit Einf?hrung der Warnspr?che auf den Zigarettenschachteln auch die neben dem Band gleich ?ber der Quengelware befindlichen Ausgaberegale f?r jeneSargn?gelGenu?mittel so umkonstruiert, da? sie einen gleich dem Turm von Pisa fast drohen zu erschlagen - und den Betrachter zus?tzlich mit den ganzen Gesundheitsspr?chen indoktrinieren, auch wenn jener niemals im Sinne hatte, mit dem Rauchen zu beginnen. Ich f?hle mich jedenfalls immer recht unwohl unter diesen im 30-Grad-Winkel zu mir aufgeh?ngten Metallstreben, von denen mir Warnmitteilungen ?ber m?gliche Sch?digungen meines Erbgutes entgegenleuchten. (Anm. d. Red.: Welcher EU-Beamter hat eigentlich das Wort"Spermatozoen"ausgegraben? Das verstehen ja 70% der Pisa-Bev?lkerung nichtmal ansatzweise. Das lustigerweise einzige, was insbesondere Frauen wirklich nachdenklich stimmt, ist die Aufschrift"Rauchen l??t ihre Haut altern"- vielleicht h?tte man bei den Spr?chen eher Dinge wie"Rauchen l??t ihre Kosmetika unwirksam werden"oder"Rauchen macht einen fetten Arsch"ber?cksichtigen sollen.)

Hat man auch diese H?rden ?berwunden, gab es fr?her nur eine Begebenheit, die einem vom fr?hzeitigen Verlassens dieser gastlichen St?tte abhalten konnte: Oma Krawuttke m?chte siebenundvierzigmarkneunundf?nfzig in passenden M?nzen bezahlen, stellt aber bei siebenundvierzigmarkdreiundvierzig fest, da? sie doch nicht mehr gen?gend Pfennige hat, um nach kurzer Verz?gerung den Fehlbetrag von sechzehn Pfennig dann doch noch im anderen Notgro?schenportemonnaie zu finden. Dieser Vorgang wurde inzwischen durch das noch zeitraubendere Bezahlen mit EC-Karte ersetzt.

BonuskarteInzwischen hat die Industrie aber bereits weitere Dinge erfunden, die daf?r sorgen sollen, da? man das Erlebnis"Supermarkteinkauf"m?glichst lange genie?en kann:"Haben Sie eine Bonuskarte?"- ich glaube, das T-Shirt"Nein, ich habe keine Bonuskarte"k?nnte ein ganz gro?er Absatzrenner werden. Au?erdem bin ich immer so latent versucht, laut zu werden und etwas von"Bonuskarte dahin schieben, wo die Sonne nie scheint"zu br?llen. Das verbietet mir dann aber letztendlich meine gute Kinderstube. Die Dame vor mir hat nat?rlich eine Bonuskarte, sie mu? sie nat?rlich nur schnell suchen, Sekunde, wo ist sie denn, ach, vielleicht im anderen T?schchen, ach, ich glaube, sie ist doch zuhause aufm Tisch ... ach, nein, da ist sie ja, k?nnen sie die noch nachtr?glich, das w?re ganz toll ...

Da diese aufenthaltsverl?ngernde Ma?nahme aber offensichtlich noch nicht reicht, kommt inzwischen auch die Bonusattackenfolgefrage:"Sammeln Sie Herzen?"-nee, nur von irgendwelchen 85-C-Chicks f?r eine Nacht, ?hm, nein, danke. Meine Antwort auf die Frage ist allerdings genauso relevant wie eine vollst?ndige Bestellung beim D?nermann: wenn man dort"einen D?ner mit allem, Knoblauch- und scharfer So?e"ordert, kommt garantiert die Nachfrage:"Mit alles?"und anschlie?end:"Mit scharfe So?e?". Genauso ist es auch mit den Herzen. Diese werden einem gemeinsam mit dem nichtben?tigten Kassenbon ?berreicht, ob man will oder nicht - ?brigens von einer Kassiererin, die zur Unterstreichung dieses genialen Marketinggags auch ein Button"Ich habe Herz"tr?gttragen mu?. Arme Sau.

Ich schmei?e die Herzen (Anm. d. Red.: sch?ne Allegorie) mitsamt des Bons in den daf?r vorgesehenen roten M?lleimer, stelle fest, da? es sich in jenem geradezu um einen Treff der weggeworfenen Herzen handelt und verlasse diesen Ort.

Ich bin raus. Nie wieder Supermarkt.


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