Link to the Show / Show NotesEin Wort aus dem religiösen Bereich: Buße tun, Büßergewand, Bußprozession. Im Alltag jedoch stoßen wir wohl häufiger auf das profane Bußgeld wegen begangener Ordnungswidrigkeit.
Fast täglich kommen neue hinzu. Firmen oder auch Privat- beziehungsweise Geschäftsleute, die gegen Vorschriften, ja Gesetze verstoßen und verstoßen haben. Da gibt es die geheimen Absprachen innerhalb einer Branche, also zum Beispiel: "Ihr bekommt den südwestdeutschen Raum, und wir übernehmen dafür Schleswig-Holstein", oder: "Wir halten alle die Preise bis zu den großen Ferien, dann, mit Beginn der großen Reisezeit, gehen wir mindestens drei Cent rauf." Eigentlich verboten. Eigentlich.
Wer muss wofür büßen?
Die Kunst ist, sich nicht erwischen zu lassen. Nehmen die Gaunereien immer mehr zu, oder sind die Aufpasser findiger geworden? Wir wissen es nicht. Jedenfalls verhängt Brüssel – wenn es um EU-Belange geht – saftige Strafen am Fließband. Diese Strafen werden in Form von Bußgeldern festgelegt. Merkwürdig, dass in Zeiten auch sprachlicher Globalisierung sich ein so alter Begriff gehalten hat.
Andererseits ist sein Inhalt zeitlos. Da ist der Sünder, also einer der gegen Gesetze verstoßen hat, und dort ist der Richter, der die Buße festlegt. Buße ist so etwas Ähnliches wie Wiedergutmachung. Der Sünder zum Beispiel soll büßen und damit seine Sünde wieder gutmachen, aber das geht ja eigentlich nicht, denn Sünde bleibt Sünde.
Herr, ich habe gesündigt
Wir wollen keine schmalspurige religionsphilosophische Debatte vom Zaun brechen, sondern nur über das Wort "Buße" ein bisschen nachdenken, stichwortartig. Wie dauerhaft manche uralten Wörter sich auch im modernen Sprachgebrauch halten, zeigen die Beispiele "Sünder" und "Buße", und dies gerade außerhalb des kirchlich-religiösen Bereichs.
Ganz selbstverständlich sprechen wir von Verkehrssündern, ebenso vom Bußgeld, das selbige aufgebrummt bekommen, wenn sie ordentlich gegen die Verkehrsregeln verstoßen haben. Wer falsch parkt, bekommt nur eine Verwarnung. Bußgeld ist ein fester Begriff der Rechtssprache. Es ist eine Geldstrafe – und jetzt kommt ein Zitat – "zur Ahndung bestimmter Ordnungswidrigkeiten im Verkehrs-, im Wirtschafts- und Steuerrecht". Klarer Fall, große Sünde große Buße, kleine Sünde kleine Buße.
Wer sündigt, muss zahlen
Um aber festzustellen, wie denn nun die Höhe des Bußgeldes zu bemessen sei, gibt es das Bußgeldverfahren. Ist dieses abgeschlossen, wird der Bußgeldbescheid erteilt. Nun wissen wir, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Nicht nur, dass er immer wieder sündigt, er begeht auch immer wieder die gleichen Sünden. Vor allem im Straßenverkehr.
Dieser bahnbrechenden Erkenntnis trägt der Bußgeldkatalog Rechnung. Also: Bei Rot über die Ampel kostet so viel, mit 1,0 Promille so und so viel, wer mit 120 statt mit 60 Kilometern durch die Autobahnbaustelle brettert, muss diesen Betrag berappen, wer das gleich mehrmals innerhalb einer bestimmten Frist tut, jenen. So hat alles seine Ordnung.
Glauben wir.
Wäscht Geld von Sünden rein?
Nun bedarf es keiner großen Anstrengung, geschweige denn innerer Einkehr, die eigentliche Bestandteil wirklicher Buße ist, wenn wir lediglich den Geldbeutel öffnen und zahlen müssen. Buße im kirchlich-religiösen Sinn geht tiefer. Wenn, sagen wir einmal, irdische Buße so etwas wie Entschädigung und Wiedergutmachung bedeutet, so ist die religiöse Buße "das Bemühen um die Wiederherstellung eines durch menschliches Vergehen gestörten Verhältnisses zwischen Gott und Mensch." So lautet eine Begriffsbestimmung im Lexikon.
Bedeutet die Zahlung von Bußgeld lediglich eine finanzielle Einbuße, so ist das religiöse Buße tun tatsächlich tätige Reue, verbunden mit einem Schuldbekenntnis. Bußtage und Bußrituale haben in allen Religionen ihren festen Platz. Im Judentum ist es der Versöhnungstag "Jom Kippur", im Christentum wie im Islam sind Pilger- beziehungsweise Wallfahrten Ausdrucksformen der Buße. Büßergewand oder Büßerhemd waren und sind zum Beispiel in Spanien und Lateinamerika immer noch in den großen Bußprozessionen zu sehen; die Gläubigen tragen es als sichtbares Zeichen ihres Willens, Buße zu tun.
Verkehrssünder im Bußgewand
Merkwürdig: In allen Religionen und Kulturen besteht offensichtlich so etwas wie ein öffentliches Bewusstsein darüber, dass es eine über dem Menschen stehende Instanz gibt, gegen deren Gesetze man nicht verstoßen soll. Tut man es dennoch, nun ja, dann muss man es büßen. So oder so.
Fragen zum Text
Buße ist so etwas Ähnliches wie …
1. Sünde.
2. Wiedergutmachung.
3. Lohn.
Was ist ein Verkehrssünder?
1. jemand, der gegen die 10 Gebote verstoßen hat
2. jemand, der gegen die Straßenverkehrsregeln verstoßen hat
3. jemand, der in einer Beziehung alles verkehrt macht
Warum tragen Menschen Büßergewänder?
1. als sichtbares Zeichen ihres Willens, Buße zu tun
2. weil sie sie modisch finden
3. damit sie kein Bußgeld zahlen müssen
Arbeitsauftrag
Definieren Sie kurz und präzise folgende Begriffe:
Büßer, der
Sünde, die
Vorschrift, die
Verkehrsregel, die
Erkenntnis, die
Kultur, die
Religion, die
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