Search for Podcasts
Trumix.com
Our New Site
Internet Radio
Podcasts
Create a Playlist


Podcast Directory:
Browse Podcasts
Add your Podcast
Remove a Podcast
Search for Podcasts
Podcast Directory
by Country
by Language
by Buzz
by Popularity
by Category
by Tags
by Region
by City
on a Google Map



Podcast Help:
What is Podcasting
Creating an XML
Podcast Hosting
Podcast Software
Firefox Plugin
Podcast Hardware




About Us:
Podcast Advertising
Contact Us
Copyright Issues
Help Wanted

Internet Radio:
Find
State
Country
Language
Music
Sports
Regions
Popularity

Discount Gold Offer
Stiletto New Price Free Graphics


Wörter jiddischer Herkunft Episode | Deutsche im Alltag - Alltagsdeutsch | Deutsch Lernen | Deutsche Welle

PodcastDirectory / Education / Education
PodcastDirectory / Regions / EU / Germany



Deutsche im Alltag - Alltagsdeutsch | Deutsch Lernen | Deutsche Welle

Müllabfuhr und Maibäume, Klöster, Skat und Schimpfwörter. Hier finden Sie Radioreportagen zu bunten Themen aus dem deutschen Alltag. Hören Sie die Audiodateien und lesen Sie die Manuskripte.

Primary Format :
Education

Also Listed as:

User Tags:

User Votes:

RSS Feed
Website

Visit Trumix.com for the most recent listings of:

Wörter jiddischer Herkunft


Wörter jiddischer Herkunft

Play Now -->

DATE :
Entered in Database : 2006-10-13 21:19:01
length : 7548649
Link to the Show / Show Notes

Wenn die Firma keinen Reibach mehr macht und gar der Pleitegeier über ihr kreist, dann ist diese mitten drin im Schlamassel, und das möglicherweise trotz harter Maloche - jiddische Wörter in der deutschen Sprache.

Musik:

CD:"Klezmer 1993 New York City"Cut 1: BillyTipton Memorial Saxophone Quartet:"Frailoch".

Sprecher:

Klezmer, die traditionelle Hochzeits- und Festmusik jiddischsprachiger Juden, ist heutzutage auch vielen nicht-jüdischen Musikliebhabern ans Herz gewachsen.Klezmerbedeutet im Hebräischen Musikinstrument. Im Jiddischen nannte man einen der Notenschrift unkundigen und ungebildeten Musiker so. Inzwischen hat das Wort jedoch einen Bedeutungswandel erfahren und bezeichnet einen Musikterminus.Klezmer-Musikverbindet Juden und Nichtjuden mit einem Stück jüdischer Kultur und wird mittlerweile nicht nur auf Festen, sondern auch in Konzertsälen gespielt, von professionellen Musikern, versteht sich.

Sprecherin:

Ich finde diese Musik auch ganzdufte. Aber Jiddisch? Was ist das denn für eine Sprache? Ich dachte immer, Juden sprechen Hebräisch, in Israel zum Beispiel.

Sprecher:

Das stimmt. Aber Jiddisch eben auch, obwohl es heute nicht mehr von vielen Menschen gesprochen wird. Die Sprache ist aus mittelalterlichem Deutsch entstanden. Damals, Anfang des 13. Jahrhunderts, mussten Juden in Ghettos wohnen und in dieser Isolation von ihren christlichen Mitbürgern mischten sich zunehmend hebräische Ausdrücke in ihr Deutsch, das sich auf diese Weise zu einem eigenen Sozialdialekt wandelte. Weil aber nur männliche Mitglieder der Familie hebräisch lesen und schreiben konnten, die Frauen oft sogar kein Hebräisch verstanden, begann man für sie die biblischen Geschichten auf Jiddisch zu erzählen. Zudem wollten zumindest orthodoxe Juden die hebräische, ihrer Meinung nach heilige Sprache, nicht in profanen, sprich weltlichen Zusammenhängen, anwenden. Man sprach also im Alltag jiddisch, bei religiösen Zusammenkünften hebräisch. Durch Wanderungs- und Fluchtbewegungen breitete sich das Jiddische von Deutschland nach Osteuropa aus. Dort nahm es auch Wörter aus slawischen Sprachen auf und entwickelte sich zu einer eigenständigen Kultursprache, während es im westlichen Europa in größerer sprachlicher Nähe zum Deutschen blieb.

Musik:

"doss pintele yid", Geula Gal-Ed sings Yiddish Songs, Cut 3:"Her nor du sheyn meydele"

Sprecherin:

Das klingt aber schön! Und ich verstehe wirklich einige Wörter.

Sprecher:

"Her nor, du sheyn meydele“, zu Deutsch:"Hör, schönes Mädchen"ist ein populäres Volkslied aus dem 19. Jahrhundert. Es geht darin um ein junges Mädchen, das sich keine Sorgen um Geld, Essen oder Unterkunft macht, wenn es nur mit seinem Liebsten zusammen sein kann. Der Text wurde übrigens erstmals in einer Berliner Kulturzeitschrift veröffentlicht. In den deutschsprachigen Ländern gaben aber viele Juden seit Mitte des 18. Jahrhunderts das Jiddische auf, weil sie es als Emanzipationshindernis ansahen. Doch als Juden aus Osteuropa nach Berlin oder Wien einwanderten, brachten sie ihre ostjiddische Muttersprache wieder nach Deutschland und Österreich zurück. Vor allem im Berliner Scheunenviertel und in der Wiener Leopoldstadt lebten viele Ostjuden, und ihre Sprache prägte in der Nachfolge die Stadtdialekte. Besonders das Berlinerische hat sich viele jiddische Wörter zu Eigen gemacht.Dufte, jiddisch"tow","gut","schön","lieblich"ist wohl eins der bekanntesten Adjektive, das wir immer wieder mit Berlin assoziieren.

Musik:

Claire Waldoff,"Wer schmeißt denn da mit Lehm?"Cut 5:"Ne dufte Stadt ist mein Berlin", erste Strophe bis:"ne dufte Stadt ist mein Berlin".

Sprecherin:

Meine Großmutter kommt aus Berlin. Die hat immer zu mir gesagt:"Kindchen, dat machst de bloß ausDaffke!"Ist das zufällig auch jiddisch?

Sprecher:

Volltreffer. Von Jiddisch"davko"."Er tut es ausDaffke", das heißt,"er tut es aus Trotz". Das hat man auch in jüdischen Familien gesagt.

Sprecher:

Lieberschmusenalsmalochen.

Sprecherin:

LieberReibachmachen alsPleitegehen.

Sprecher:

Sonst hat man denSchlamassel,und dieMischpochezetert. Aber mal im Ernst. Wussten Sie, dass all diese Wörter jiddischen Ursprungs sind?Mischpoche, von"mischpocho","Geschlecht","Völkerstamm","Familie", ist wohl vielen als gängiger Begriff für die Verwandtschaft bekannt. BeiSchlamasseldenken andere dagegen oft an Schlamm. Dabei ist das Wort von"schlimm-masol"abgeleitet, was soviel bedeutet wie"schlimmer Stern","Unglück".Schlamasselsagen wir umgangssprachlich, wenn wir von einer misslichen Lage, einer verfahrenen Situation sprechen.Massel, Glück, haben wir da schon lieber. Wir verwenden häufig Wörter in unserer Alltags- und Umgangssprache, ohne zu wissen, dass sie jiddischen oder hebräischen Ursprungs sind. Zum Beispielschmusen, ursprünglich"erzählen","reden", aber auch"schmeicheln". In der deutschen Umgangssprache bekam es die Bedeutung von liebkosen.

Sprecherin:

Schön und gut. Abermalochen? EinMalocherist doch ein hart arbeitender Mensch aus dem Ruhrgebiet. Was ist an dem denn jiddisch?

Sprecher:

Ja, bei dem Wort denken wir sofort an einen Kumpel aus dem Bergbau oder einen Arbeiter in der Stahlindustrie. MitMalocheverbinden wir meist schweißtreibende oder anstrengende Arbeit. Aber das Wort stammt aus dem Jiddischen, von"melocho","Arbeit","Werk". Übrigens, man kann auch am Computermalochen!

Sprecherin:

Und wermalocht, kannReibachmachen oderPleitegehen?

Sprecher:

Genau.Pleiteheißt auf Jiddisch"Flucht", aber auch"Bankrott". DerPleitegeierwar übrigens der mystische Vogel des Bankrotts, der über dem gleichnamigen Bankrotteur schwebte. Jiddisch"rewach","die Erweiterung","der Vorteil"und"der Zins"kam über das Rotwelsche, eine Gaunersprache, ins Deutsche und meint einen Gewinn, meist einen unverdient hohen. Wir haben übrigens in unserer Verwendung von jiddischen Wörtern oft gar nicht mehr die für Juden ursprüngliche Bedeutung beibehalten.Koscherzum Beispiel ist ein Wort, das für einen Juden eine wichtige religiöse Bedeutung hat, denn schließlich spielt es eine große Rolle, ob das Fleischkoscher, sprich rituell zulässig ist oder nicht.Koscherbedeutet"recht","rein". Wir sagen:Das ist nicht koscherund meinen"das ist nicht in Ordnung". Viele jiddische Wörter haben so im Lauf der Zeit eine neue Bedeutung erfahren. Sprache ist halt lebendig. Noch ein Beispiel:"Zchoken"bedeutete im Jiddischen"spielen","scherzen", später"Karten spielen"und heute heißtzocken"risikoreich handeln".

Sprecherin:

An der Börsezockenempfiehlt sich aber nicht.

Sprecher:

Genauso wenig wie aufAbzocker, Betrüger, hereinfallen.

Sprecher:

Wie selbstverständlich jiddische Wörter einen Platz in unserem Wortschatz einnehmen, zeigen auch Ableitungen, wieRiesenreibach. Wenn wir sagen wollen:"Da hat aber einer anständig Geld verdient!"heißt es:"Der hat einenRiesenreibachgemacht".Zoff, jiddisch"soph"für"Ende","Abschluss", avancierte über den Umweg der berlinerischen Bedeutung"Ärger"und"Streit"gar zum Modewort. Die AbleitungZickenzoffist eine phantasievolle, wenn auch nicht gerade schmeichlerische Neuschöpfung aus der Jugendsprache. Das deutsche WortZicke, ursprünglich eine junge Ziege, bezeichnet eine wenig umgängliche,"bockige"Frau, mit der man halt manchmalZoffhat, und die sich mit anderenZicken zofft, also streitet. Jiddische und deutsche Wörter stehen so in einem lebendigen sprachlichen Austausch. Aus dem jiddischen"mis"für"ekelhaft"und"schlecht"stammt auch unser Adjektivmies, das auf verschiedene Weise unseren Alltag trüben kann. DerMiesepeter, ein übellauniger Mensch oder derMiesmacher, der alles schlecht macht und nörgelt, sind darauf zurückzuführen. Beim Kartenspiel sammeln wirMiese, das sind die Minuspunkte, und den Sollstand auf dem Bankkonto nennen wir ebenfalls so.

Sprecherin:

Sprich mir nicht davon. Ich bin zurzeit auch in denMiesen.

Musik:

"Geula Gal-Ed sings Yiddish Songs", Cut 6,"ch’vel shoyn mer nisht ganvenen"

Sprecherin:

Wie sind die jiddischen Wörter überhaupt ins Deutsche gelangt? Eben hast du eine Gaunersprache, Rotwelsch, erwähnt. Jetzt rede malTacheles!

Sprecher:

Jiddisch"tachlis"heißt"Endzweck","Vollkommenheit", aber auch"praktisches Ergebnis".

Sprecherin:

Wenn dein Gerede mal dazu führen würde!

Sprecher:

Ich rede ja schon Klartext! Also: Erste Wörter aus dem Jiddischen kamen bereits im 16. Jahrhundert in die deutsche Sprache. Gelehrte hatten Interesse am Jiddischen, weil es hebräisch geschrieben wurde und sie dadurch Zugang zur hebräischen Sprache fanden. Doch vor allem Vaganten und Gauner lernten auf ihrer Wanderschaft jiddische Ausdrücke kennen, nahmen sie in ihre Geheimsprache auf und passten sie ihrem Milieu an. Wörter wieSchmiere stehen,Knastoderbaldowernerinnern uns doch sofort an die Niederungen des Lebens! Jiddisch"schmiro"für"Wache","Wachposten","Wächter"wurde in der Ganovensprache zu"beim Stehlen Wache stehen"."Knas"hieß im Jiddischen"Geldstrafe","knas geben","eine Strafe bezahlen". Daraus wurde in der Gaunersprache Rotwelsch die Freiheitsstrafe und im Berlinerischen das Gefängnis.Knastist inzwischen überall in Deutschland der umgangssprachliche Ausdruck für Gefängnis.

Sprecherin:

Undbaldowernheißt doch"plaudern", oder?

Sprecher:

Ja, auch. Aber ursprünglich war der"baal dowor"ein Herr, ein Besitzer und Unternehmer, auch ein Führer. Im Rotwelschen wurde daraus ein Anführer oder Auskundschafter bei einem Diebstahl.Baldowernbedeutet"etwas auskundschaften", umgangssprachlich sagen wir auchetwas ausbaldowern,"etwas herausfinden".

Sprecherin:

Tinnef,Chuzpe,ZockerundSchickse: Ausdrücke des Zeitgeistes, die hört man heute wieder öfter.

Sprecher:

Obwohl im 18. Jahrhundert in Preußen verfügt wurde, die Handelsbücher in Deutsch zu führen, sprachen viele Familien zu Hause weiterhin jiddisch. Ihr Dienstpersonal trug vor allem in den Städten zur Verbreitung jiddischer Ausdrücke im Deutschen bei. Vielleicht machte die Geschichte von derSchicksedie Runde, die dieChuzpehatte, den jüdischen Sohn des Hauses heiraten zu wollen."Schickzo","das Christenmädchen", und"chuzpe","die Frechheit","Unverschämtheit".Schicksenennt man heute umgangssprachlich aber alle Frauen mit leichtlebigem Lebenswandel. Viele Christen sahen sich jedoch auch gezwungen, Jiddisch zu lernen, wenn sie erfolgreich am Handel teilhaben wollten, denn vor allem bei jüdischen Viehhändlern und Metzgern blieb es lange Zeit Fachsprache.Tinnefzum Beispiel von jiddisch"tinneph"bedeutete ursprünglich"Kot"und"Unrat"oder auch"Nachgeburt von Tieren", später bezeichnete es mangelhafte Ware, und wir verwenden es heute in der Bedeutung von"wertlosem Zeug"oder"Unsinn".

Sprecherin:

Also haben viele jiddische Wörter ihren Ursprung in sozialen Verhältnissen, oder? Zumindest erfährt man durch sie etwas vom jüdischen Alltag und seiner Lebenswelt. Das finde ich ganz spannend. Aber, wo wir gerade dabei sind, was heißt eigentlichNebbich?

Sprecher:

EinNebbichist ein Niemand, ein Nichtsnutz, ein unbedeutender Mensch. Nach dem gleichnamigen Partikel zur Verstärkung eines Ausdrucks.Nebbichheißt auch so viel wie:"Was soll’s!". Im Journalismus wurde das Wort Anfang des 20. Jahrhunderts oft verwendet, um eine Sache als unbedeutend zu bezeichnen. Überhaupt gehörten Wörter wieTinnef,NebbichoderChuzpezum festen Bestandteil des Jargons von Schauspielern, Journalisten und Künstlern, aber die Verwendung jiddischer Ausdrücke beinhaltet auch ein trauriges und dunkles Kapitel. Seit dem späten 19. Jahrhundert benutzte man sie in der Literatur zunehmend in Parodien auf jüdische Bürger, zum Spott und zur Diffamierung. Die Nationalsozialisten setzten Wörter wie zum BeispielNebbichin ihrer Propaganda dann gezielt zur Diskriminierung und antisemitischen Agitation ein. Verständlich, dass viele Juden in dieser Zeit vom Gebrauch jiddischer Wörter absahen, schon allein, um sich keiner Verfolgung auszusetzen.

Sprecherin:

Dann hat man sich doch bestimmt danach gescheut, jiddische Ausdrücke überhaupt wieder in den Mund zu nehmen. Nach so einem sprachlichen Missbrauch!

Sprecher:

Genau so war es.

Sprecher:

Heute, nach einem Prozess der Wiederannäherung beider Kulturen, verwenden wir wieder häufig jiddische Ausdrücke im Deutschen, allerdings weitgehend ohne jüdische Konnotation, das heißt, wir denken beim Gebrauch gar nicht an ihren jüdischen Ursprung.

Sprecherin:

Dabei finde ich, dass viele so einen erfrischenden,kessenund handfesten Ton in unsere Sprache bringen und sie mit sprichwörtlichem jüdischen Witz und einem Augenzwinkern würzen.

Sprecher:

Jetzt fängst du ja richtig an zu schwärmen. Sag mal, bist etwaschicker?

Sprecherin:

Und du bist wohlmeschugge, oder was? Ich werde doch wohl mal meine Meinung sagen können. DieChuzpehab‘ ich!

Sprecher:

Ja, ja, ist ja gut. Aber ich finde, es gibt da noch eine wirklichdufteVerbindung: Die jiddischen Wörter sind aus dem jüdischen Alltag in unsere Umgangs- und Alltagssprache gekommen und leben in der Jugendsprache weiter. Wenn das mal nicht zukunftsweisend ist!


Fragen zum Text:

Woraus ist Jiddisch entstanden?

1. aus den slawischen Sprachen Osteuropas

2. aus mittelalterlichem Deutsch

3. aus dem Lateinischen

Was bedeutete der Begriff schmusen ursprünglich?

1. erzählen, reden

2. spielen scherzen

3. hart arbeiten

Wenn jemand Tacheles redet, redet er…

1. Unsinn

2. Klartext

3. sehr viel

Arbeitsauftrag:

Juden in Deutschland haben eine lange und wechselvolle Geschichte. Informieren Sie sich über bestimmtePhasen des jüdischen Lebens in Deutschland und halten Sie einen Kurzvortrag darüber.


Play in your Iphone